Startseite2020-06-16T14:01:50+00:00
Wissmann-Statue (c) Jürgen Zimmerer

Die Bedeutung des Kolonialismus für die deutsche Gesellschaft wurde lange unterschätzt, selbst in einer seit Jahrhunderten global vernetzten Hafenstadt wie Hamburg. In den letzten Jahren erhielten Debatten um Restitutionen und Reparationen, Straßenumbenennungen und die Folgen der kolonialen Ausbeutung immer mehr Aufmerksamkeit. Umso wichtiger ist es, die Dynamiken, Repräsentationen, Nachwirkungen und Kontroversen des (deutschen) Kolonialismus und der Globalisierung in ihren komplexen Verbindungen und Bedeutungen für postkoloniale Gesellschaften zu untersuchen.

Mehr zum Thema: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in der Süddeutschen Zeitung, 22.10.2018

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Die koloniale Globalisierung sah neben der sich intensivierenden Zirkulation von Menschen und Gütern auch die Mobilität von Pflanzen und Tieren, Bakterien und Viren. Letztere führten nicht erst bei Covid-19 zur besonders rasanten weltweiten Verbreitung von Krankheiten und Seuchen. Zugleich brachten die Kolonialmächte – ausgehend von der ‚Tropenmedizin‘ zur Vorsorge für Soldaten und Beamte, Siedler*innen und Missionare – auch europäische Gesundheitsvorstellungen in kolonisierte Gebiete mit. Dabei zeichnet sich die weltweite Ausdehnung (post-)kolonialer Biopolitik durch die Gleichzeitigkeit hygienischer Disziplinierungsdiskurse, rassistischer Bevölkerungspolitik und der Durchsetzung europäischer Gesundheitsvorstellungen aus.

Mehr zum Thema: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im Tagesspiegel, 31.3.2020

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Kolonialismus war immer auch Ausbeutung der Umwelt. Ressourcenkonflikte standen am Anfang der kolonialen Globalisierung und sie stehen am Übergang zur postkolonialen Globalisierung. Umweltfaktoren waren aber immer auch eine Ursache oder ein Beschleuniger von Gewaltprozessen. Noch im ‚Peak Oil‘ und in der Klimakrise des Anthropozän lassen sich derlei Prozesse beobachten, etwa wenn die Hauptverursacher des Klimawandels im Globalen Norden zu finden sind, die bereits jetzt unmittelbar Betroffenen im Globalen Süden.

Mehr zum Thema: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in der Süddeutschen Zeitung, 11.1.2020

Jürgen Zimmerer (Hg.): Climate Change and Genocide. Environmental Violence in the 21st Century, Routledge, London 2015.

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(c) Vitjitua Ndjiharine

Die Europäische Expansion als entscheidende Triebkraft der Globalisierung beruhte auf physischer, struktureller, ökonomischer und epistemischer Gewalt. Bis in die Gegenwart beeinflussen die Folgen dieser kolonialen Gewaltausübung postkoloniale Staaten und sind Ursache für regionale wie internationale Konflikte um Macht und Ressourcen. Auch diskursive Legitimierungen der Gewalt gegen (koloniale) ‚Andere‘ bestehen bis heute fort.

Mehr zum Thema: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in Zur Debatte, 01/2020

Jürgen Zimmerer/Joachim Zeller (Hg.): Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia und seine Folgen, bpb-Lizenzausgabe, Bonn 2016 (zuerst Ch. Links, Berlin 2003).

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Globalisierung ist zu einem der prägenden Schlagworte unserer Zeit geworden. Es vermittelt das Gefühl, in einem noch nie dagewesenen Zeitalter der Transformation zu leben. Als Metapher der weltweiten Vernetzung, Verflechtung und Verbindung wird Globalisierung daher häufig als ein gegenwärtiges, ein geschichtsloses Phänomen betrachtet.

Die grenzüberschreitenden systemischen Verflechtungen der Welt begannen jedoch nicht erst im ausgehenden 20. Jahrhundert. Fragen der Beschleunigung, der Vernetzung und Interdependenz, aber auch der ‚De-Globalisierung‘, also Tendenzen der Kontraktion, des Protektionismus und der Desintegration müssen in einer historischen Perspektive diskutiert werden. Die Europäische Expansion bildete seit dem späten 15. Jahrhundert den Katalysator zur weltweiten Vernetzung. Die frühe Globalisierung war also eine koloniale, die jedoch von Anfang an auch auf das europäische Hinterland jenseits der Metropolen der Kolonialmächte einwirkte. Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft wurden global von den neuen Verbindungen beeinflusst.

Heute ist die Globalisierung in ihrer postkolonialen Phase angekommen, die einerseits von neokolonialen Verhältnissen in Wirtschaft und Politik geprägt ist, in der andererseits aber auch eine Richtungsumkehr von Migrationsbewegungen, Waren- und Wissensströmen festzustellen ist. Die ‚Dezentrierung‘ Europas in der globalisierten Welt wirft neue Fragen des Selbstverständnisses und des Umgangs mit der – oft gewaltvollen – Vergangenheit auf.

Aktuelle Beiträge

„Solange Denkmäler ungebrochen stehen, wird dieses Weltbild weiter verherrlicht“ – Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in ARD, Deutschlandfunk und weiteren Medien über die Erinnerung an den Kolonialismus

Juni 18th, 2020|

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