29.07.2020: This text is also available in English here.

Den Stand der Debatten um die Restitution kolonialen Raubguts diskutierte Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im Interview mit dem internationalen Fernsehsender Al Jazeera English. Als Grund für die Blockade der letzten Monate trotz weitreichender Absichtserklärungen wie durch Emmanuel Macron führte er die Befürchtungen der Verantwortlichen in Museen und Politik an: „‘once you start the restitution process, you can’t stop it‘”, die Angst vor der Auflösung kompletter Sammlungen bestehe. Diesen Punkt nahm er abschließend wieder auf: Die Debatten über geplünderte Objekte seien geprägt von einem Ausbremsen durch die Politik aufgrund der Furcht, die Kontrolle über die Rückgaben zu verlieren wie auch vor den Reaktionen im Angesicht des derzeitigen „rightwing backlash“ in Europa. Ein praktisches Hindernis bilden zudem nationale Bedingungen wie rechtliche Vorgaben gegen Restitution in Frankreich und Deutschland.

Zu den bedeutendsten aktuell diskutierten Objekten zählen „iconic items“ wie vor allem die Benin-Bronzen, aber auch der Stein von Rosette und die Büste der Nofretete, so Zimmerer. Die Relevanz der Debatte sei aber nicht nur auf das Feld der Kulturpolitik begrenzt, sondern vielmehr von grundsätzlicher Bedeutung: “The question of looted objects leads to the question of colonial legacy at large”. In diesem Zusammenhang zu sehen sei etwa, wie die globale Ungleichverteilung von Wohlstand mit Kolonialismus zusammenhängt.

Das englischsprachige Videointerview: