„Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen“ – Prof. Dr. Jürgen Zimmerer über die die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte im BR

Über die stockende Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte spricht Prof. Dr. Jürgen Zimmer in einem ausführlichen Gespräch mit dem BR. Ein grundlegendes Problem, so Zimmerer, sei das fehlende Verständnis für die deutsche Gewaltherrschaft in den Kolonien mit ihren „traumatischen Auswirkungen“. Gewalt war zentraler Bestandteil des Herrschaftssystems, zudem wurden die Betroffenen danach in ein „kolonialrassistisches System gezwungen“. Auslöser für die deutschen Kolonialambitionen sei der Anspruch auf Weltgeltung gewesen. Als Rechtfertigung sei die Hoffnung auf Profite hinzugekommen, denn der europäische Kapitalismus sei von Beginn an eng mit dem Kolonialismus verbunden gewesen. Die europäische Kolonialexpansion habe auch das Ziel gehabt, den „Verschwendungskapitalismus am Leben“ [...]

Von |2020-02-05T15:10:35+00:00Februar 5th, 2020|Presseschau|0 Kommentare

„Die kritische Aufarbeitung des kolonialen Erbes ist eben nicht – nur – vergangenheitsbezogen.“– Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im Interview mit der Jungen Welt

Im Interview mit der Jungen Welt thematisiert Prof. Dr. Jürgen Zimmerer die gegenwärtigen Debatten über die Aufarbeitung des Kolonialismus. Es sei richtig, dass Themen wie der deutsche Genozid an Herero und Nama in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit erhielten. Allerdings versuche die Politik kontroverse Themen hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, also „statt eine breite politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung über die kulturellen, sozialen, ökonomischen oder epistemischen Folgen des Kolonialismus zu führen, das Thema in Gremien, Kommissionen und Förderinstitutionen zu entsorgen.“ Gleichzeitig erhielten wissenschaftlich unseriöse Positionen wie eine positive Darstellung des Kolonialismus aus politischen Überlegungen wieder Auftrieb. Daher stehe eine grundlegende Dekolonisierung [...]

Von |2020-01-14T13:59:28+00:00Januar 14th, 2020|Allgemein|0 Kommentare

„Aufarbeitung muss Chefsache werden“ – NDR-Interview mit Prof. Dr. Jürgen Zimmerer zur Vorlesungsreihe ‚Humboldt, und was nun?‘

Der NDR berichtet ausführlich zur von der Forschungsstelle ‚Hamburgs (post-)koloniales Erbe‘ veranstalteten Vorlesungsreihe ‚Humboldt, und was nun? Kolonialismus, Raubkunst und die Zukunft der Museen‘: Die vierte und letzte Veranstaltung der Reihe, gehalten von Prof. Dr. Bénédicte Savoy (TU Berlin/College de France), war Anlass für einen kurzen Bericht. Dieser nimmt vor allem auf die neu vorgestellten Forschungen Savoys Bezug, die ähnliche Debatten um koloniale Raubkunst und Restitution schon für die 1970er und 80er Jahren nachweisen kann. (zum Beitrag: https://www.ndr.de/kultur/kunst/hamburg/Noch-immer-nicht-obligat-Rueckgabe-kolonialer-Raubkunst,raubkunst238.html) Ein Interview mit Prof. Dr. Jürgen Zimmerer zu dieser Problematik und den gegenwärtigen Auseinandersetzungen führte der NDR zusätzlich. Zimmerer betont, dass vor [...]

Von |2020-01-13T15:14:23+00:00Januar 13th, 2020|Humboldt und was nun?, Presseschau|0 Kommentare

„Extreme Bürokratisierung eines Unrechtsregimes“ – Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im Deutschlandfunk-Interview über den deutschen Kolonialismus

Anlässlich des Schwerpunktthemas ‚Eine Welt 2.0 – Dekolonisiert euch!‘ sprach Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im Interview mit Deutschlandfunk Kultur über die Geschichte des deutschen Kolonialismus. Dieser sei seit der Frühen Neuzeit mit der gesamten Europäischen Expansion eng verbunden gewesen und lasse sich deshalb nicht auf die Zeit der formalen deutschen Kolonialherrschaft von 1884 bis 1919 reduzieren. Ein bemerkenswertes Spezifikum dieses offiziellen deutschen Kolonialismus sei es allerdings, dass selbst die – von allen europäischen Staaten praktizierte – Ausbeutung bürokratisiert worden sei: „ausgebeutet haben alle Europäer, aber die Deutschen haben immer eine Verordnung dazu erlassen.“ Zudem sei die Verbindung zum „zweiten Versuch [...]

Von |2020-01-09T13:48:25+00:00Januar 9th, 2020|Presseschau|0 Kommentare

„Wie verrechnet man versklavte Menschen mit Brunnen?“: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im ‚Welt‘-Interview

Im ‚Welt‘-Interview widerspricht Prof. Dr. Jürgen Zimmerer Rechtfertigungen, die eine positive Bilanz des deutschen Kolonialismus in Afrika zu ziehen versuchen. Diese Positionen vertritt etwa der umstrittene US-Politologe Bruce Gilley, der seine Thesen auf AfD-Einladung in Berlin vorstellen sollte. Schon die Grundüberlegungen einer Bilanzierung seien nicht wissenschaftlich zu vertreten, denn: „Wer bestimmt eigentlich, welche Lasten noch erträglich wären für welchen Nutzen? Schon diese Frage atmet den Geist kolonialer Zivilisationsmission.“ Eine solche Aufrechnung beruhe zwangsläufig auf einem eurozentrischen Fortschrittsglauben. Das Thema koloniales Erbe würde in den letzten Jahren auch deshalb zunehmend in die parteipolitischen Debatten gelangen, so Zimmerer, weil die Bundesrepublik in [...]

Von |2019-12-11T10:31:33+00:00Dezember 11th, 2019|Presseschau|0 Kommentare

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in Deutschlandfunk Nova über ‚Blackfacing‘: „Kolonialer Rassismus als Grundlage“

Wie unter anderem auch die Autorin Alice Hasters spricht Prof. Dr. Jürgen Zimmerer anlässlich der Karnevalssaison in Deutschlandfunk Nova ‚Update‘ über ‚Blackfacing‘. Das Bemalen des Gesichts mit schwarzer Farbe habe klar koloniale und rassistische Wurzeln und sei mit dem Ziel erfolgt, „rassistische Distanz“ zu erzeugen, um die eigene Position als Weiße zu betonen, beschreibt Zimmerer die Geschichte dieser Praxis. Dieser Hintergrund könne durch eine nicht-rassistische Intention der ‚Blackface‘-Tragenden nicht ausgeblendet werden, so Zimmerer. Stattdessen sei es erforderlich, sich über die Folgen von Kolonialismus und Ausbeutung für unsere heutige Gesellschaft Gedanken zu machen: „Wenn wir den kolonialen Rassismus als Grundlage anerkennen [...]

Von |2019-11-18T12:51:41+00:00November 18th, 2019|Presseschau|0 Kommentare

#4 ReprÆsentationen: Ein Interview mit Dan Thy Nguyen – Performancekünstler und Autor des Stücks Sonnenblumenhaus

  Die Stadt Umdenken_Repenser la ville_ Ein Projekt des Virtuellen Partizipationslabors Postkoloniales Erbe Autorin: Tania Mancheno   Dan Thy Nguyen © Henrike Schunk Die Reihe #Repræsentationen präsentiert diese Woche einen Podcast mit dem Hamburger und darstellenden Künstler Dan Thy Nguyen. Nguyens Performances und Theaterproduktionen haben in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In seinem Stück Sonnenblumenhaus behandelt Nguyens die Gewalt der Progrome gegen Asylbewerberheime. In seinem Solostück denken was tommorrow kreiert er eine poetisch-ironische, biografische Darstellung der politisch bedingten Flucht aus Vietnam nach Deutschland. Im Gespräch mit Tania Mancheno beschreibt Nguyen seine persönlichen Erfahrungen mit den [...]

„Afrika ist ein Kontinent, der über Jahrhunderte hinweg auf vielfältige Weise in Mitleidenschaft gezogen wurde – durch den Kolonialismus und den Sklavenhandel.“ Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im Interview mit den Salzburger Nachrichten

„Wir sehen nur die Zeit nach der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten, statt zu sagen, dass es hier Ursache und Wirkung gibt; dass heutige Verhältnisse einen historischen Vorlauf haben“, sagt Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in einem ausführlichen Interview über die Nachwirkungen des Kolonialismus bis in die heutige Zeit. Eine der Hinterlassenschaften sieht er im Versagen der Kolonialmächte, eine starke Zivilgesellschaft hinterlassen zu haben, die als Gegengewicht zu autoritären Entwicklungen hätte dienen können. Dazu käme das Nachwirken kolonialer Vorstellungen und Strukturen: „Heute sieht man, dass die nicht aufgearbeitete europäische Kolonialgeschichte und das Weiterwirken rassistischer Vorstellungen über Afrika im Grunde Europa hindern, eine [...]

Von |2018-10-10T09:54:18+00:00Oktober 10th, 2018|Allgemein|0 Kommentare

#3 ReprÆsentationen: Ein Interview mit Dr. Elina Marmer – Mitglied des Autor*innenKollektiv Rassismuskritischer Leitfaden

  Die Stadt Umdenken_Repenser la ville_ Ein Projekt des Virtuellen Partizipationslabors Postkoloniales Erbe Autorin: Tania Mancheno   Elina Marmer © Elina Marmer Diese Woche präsentiert die Podcastreihe #ReprÆsentationen ein Interview mit der Hamburgerin Dr. Elina Marmer. Dr. Elina Marmer hat intensiv über Rassismus in deutschen Schulbüchern geforscht und geschrieben. Zu ihrer Veröffentlichungen zählen u.a: Rassismus in deutschen Schulbüchern am Beispiel von Afrikabildern (2013) und (zusammen mit Papa Sow) African history teaching in contemporary German textbooks: From biased knowledge to duty of remembrance (2013). Sie ist Mitglied des Autor*innenKollektiv, welches im 2015 den Rassismuskritischen Leitfaden für Schulen herausbrachten.   

#2 ReprÆsentationen: An Interview with Zakarias Mohamed Ali – Member of the Archive of Migrant Memory in Rome

  Die Stadt Umdenken_Repenser la ville_ Ein Projekt des Virtuellen Partizipationslabors Postkoloniales Erbe Autorin: Tania Mancheno   "To honour memory is a form of respect." Mancheno: During your stay in Hamburg last February as a guest speaker of the artistic project "Ort_M" in Hamburg, you talked about a social requirement to rethink the museum in terms of place of history (as a space for remembrance), inasmuch as a current living space. You mentioned that museums need a change in the representation of national history. To what extend does this change mean to abandon the idea we had about a [...]