„Solange Denkmäler ungebrochen stehen, wird dieses Weltbild weiter verherrlicht“ – Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in ARD, Deutschlandfunk und weiteren Medien über die Erinnerung an den Kolonialismus

Wie ist mit Statuen und anderen Denkmälern umzugehen, die an Sklavenhändler und andere Akteure aus der Kolonialzeit erinnern? Dieser Frage wird aktuell intensiv diskutiert. Zahlreiche Medien wie das ARD-Morgenmagazin, der NDR und der Deutschlandfunk baten Prof. Dr. Jürgen Zimmerer daher zum Gespräch. Anlass der Auseinandersetzungen ist der Sturz des Denkmals für den Sklavenhändler und Philanthropen Edward Colston im britischen Bristol durch Aktivist*innen. Ein solches aktives Vorgehen sei nur „eine Frage der Zeit“ gewesen angesichts der langanhaltenden, aber weitgehend ergebnislosen Diskussionen um eine „Dekolonisierung des öffentlichen Raumes“ in vielen europäischen Ländern, so Zimmerer in Deutschlandfunk Nova. Auch in Deutschland gibt es [...]

Von |2020-06-18T15:01:40+00:00Juni 18th, 2020|Interview|0 Kommentare

„Wie verrechnet man versklavte Menschen mit Brunnen?“: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im ‚Welt‘-Interview

Im ‚Welt‘-Interview widerspricht Prof. Dr. Jürgen Zimmerer Rechtfertigungen, die eine positive Bilanz des deutschen Kolonialismus in Afrika zu ziehen versuchen. Diese Positionen vertritt etwa der umstrittene US-Politologe Bruce Gilley, der seine Thesen auf AfD-Einladung in Berlin vorstellen sollte. Schon die Grundüberlegungen einer Bilanzierung seien nicht wissenschaftlich zu vertreten, denn: „Wer bestimmt eigentlich, welche Lasten noch erträglich wären für welchen Nutzen? Schon diese Frage atmet den Geist kolonialer Zivilisationsmission.“ Eine solche Aufrechnung beruhe zwangsläufig auf einem eurozentrischen Fortschrittsglauben. Das Thema koloniales Erbe würde in den letzten Jahren auch deshalb zunehmend in die parteipolitischen Debatten gelangen, so Zimmerer, weil die Bundesrepublik in [...]

Von |2019-12-11T10:31:33+00:00Dezember 11th, 2019|Presseschau|0 Kommentare

#4 ReprÆsentationen: Ein Interview mit Dan Thy Nguyen – Performancekünstler und Autor des Stücks Sonnenblumenhaus

  Die Stadt Umdenken_Repenser la ville_ Ein Projekt des Virtuellen Partizipationslabors Postkoloniales Erbe Autorin: Tania Mancheno   Dan Thy Nguyen © Henrike Schunk Die Reihe #Repræsentationen präsentiert diese Woche einen Podcast mit dem Hamburger und darstellenden Künstler Dan Thy Nguyen. Nguyens Performances und Theaterproduktionen haben in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In seinem Stück Sonnenblumenhaus behandelt Nguyens die Gewalt der Progrome gegen Asylbewerberheime. In seinem Solostück denken was tommorrow kreiert er eine poetisch-ironische, biografische Darstellung der politisch bedingten Flucht aus Vietnam nach Deutschland. Im Gespräch mit Tania Mancheno beschreibt Nguyen seine persönlichen Erfahrungen mit den [...]

„Afrika ist ein Kontinent, der über Jahrhunderte hinweg auf vielfältige Weise in Mitleidenschaft gezogen wurde – durch den Kolonialismus und den Sklavenhandel.“ Prof. Dr. Jürgen Zimmerer im Interview mit den Salzburger Nachrichten

„Wir sehen nur die Zeit nach der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten, statt zu sagen, dass es hier Ursache und Wirkung gibt; dass heutige Verhältnisse einen historischen Vorlauf haben“, sagt Prof. Dr. Jürgen Zimmerer in einem ausführlichen Interview über die Nachwirkungen des Kolonialismus bis in die heutige Zeit. Eine der Hinterlassenschaften sieht er im Versagen der Kolonialmächte, eine starke Zivilgesellschaft hinterlassen zu haben, die als Gegengewicht zu autoritären Entwicklungen hätte dienen können. Dazu käme das Nachwirken kolonialer Vorstellungen und Strukturen: „Heute sieht man, dass die nicht aufgearbeitete europäische Kolonialgeschichte und das Weiterwirken rassistischer Vorstellungen über Afrika im Grunde Europa hindern, eine [...]

Von |2018-10-10T09:54:18+00:00Oktober 10th, 2018|Allgemein|0 Kommentare

Tagungsbericht: „Die Säule von Cape Cross – Koloniale Objekte und historische Gerechtigkeit“ im Deutschen Historischen Museum, Berlin, am 7.6.2018

Von Hannah Feder Unter dem Titel „Die Säule von Cape Cross – Koloniale Objekte und historische Gerechtigkeit“ fand sich eine Gruppe von Expertinnen und Experten aus Politik, Universitäten und Museen aus Afrika und Europa zusammen, um im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums (DHM) zu diskutieren, was mit einer steinernen Wappensäule, die in kolonialen Kontexten in die Bestände des DHM gelangte, geschehen soll. Das DHM steht schon seit geraumer Zeit in Kritik für die Darstellung des (deutschen) Kolonialismus in der Dauerausstellung des Hauses[1]. Auch nach der Sonderausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ 2016/17 bleibt die Dauerausstellung und damit auch [...]

Von |2018-10-09T08:37:10+00:00Oktober 9th, 2018|Allgemein|0 Kommentare

#3 ReprÆsentationen: Ein Interview mit Dr. Elina Marmer – Mitglied des Autor*innenKollektiv Rassismuskritischer Leitfaden

  Die Stadt Umdenken_Repenser la ville_ Ein Projekt des Virtuellen Partizipationslabors Postkoloniales Erbe Autorin: Tania Mancheno   Elina Marmer © Elina Marmer Diese Woche präsentiert die Podcastreihe #ReprÆsentationen ein Interview mit der Hamburgerin Dr. Elina Marmer. Dr. Elina Marmer hat intensiv über Rassismus in deutschen Schulbüchern geforscht und geschrieben. Zu ihrer Veröffentlichungen zählen u.a: Rassismus in deutschen Schulbüchern am Beispiel von Afrikabildern (2013) und (zusammen mit Papa Sow) African history teaching in contemporary German textbooks: From biased knowledge to duty of remembrance (2013). Sie ist Mitglied des Autor*innenKollektiv, welches im 2015 den Rassismuskritischen Leitfaden für Schulen herausbrachten.   

#1 ReprÆsentationen: An Interview with Flower Manase – Curator of the National Museum of Tanzania in Dar-Es-Salaam

Die Stadt Umdenken_Repenser la ville_ Ein Projekt des Virtuellen Partizipationslabors Postkoloniales Erbe Autorin: Tania Mancheno   “People should note that history is always in circular motion.” Macheno: At our meeting in Hamburg last February, you talked about a social requirement to rethink the museum in terms of a place of history (as a space for remembrance), in as much as a current living space. You mentioned that museums need a culture that values the public space and one which opens the museum to a diverse public. To what extend does this change mean to abandon the classic idea we had [...]

New Publication: „Pursuing Whiteness in the Colonies“ by Diana Miryong Natermann

Post-colonial studies related to Germany’s colonial past is just one of the foci that the book Pursuing Whiteness in the Colonies. Private Memories from the Congo Free State and German East Africa 1884-1914  highlights. Buchcover, (c) Waxmann Verlag Pursuing Whiteness in the Colonies offers a new comprehension of colonial history from below by taking remnants of individual agencies from a whiteness studies perspective. It highlights the experiences and perceptions of colonisers and how they portrayed and re-interpreted their identities in Africa. The transcolonial approach is based on egodocuments from Belgian, German and Swedish men and women who migrated [...]

Von |2018-07-05T10:23:42+00:00Juli 5th, 2018|Allgemein|0 Kommentare

Kolonialismus ist kein Spiel

Die Verantwortlichen für das Humboldt-Forum haben noch nicht verstanden, welche Objekte sie zeigen wollen. Von Jürgen Zimmerer, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 9.8.2017 Download: Artikel (PDF) Der Streit um Deutschlands koloniales Erbe ist eine der zentralen Identitätsdebatten der Gegenwart. Seit zwei Jahren ringt Deutschland unter den Augen der Weltöffentlichkeit um den richtigen Umgang mit dem Völkermord an den Herero und Nama im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Nun ist auch das Berliner Humboldt-Forum zu den Gegenständen der Debatte hinzugekommen. Postkoloniale Kritik an diesem Vorhaben der Bundeskulturpolitik wird zwar schon seit Jahren geäußert. Aber der Eklat um den Rückzug der Kunsthistorikerin Benedicte [...]

Von |2017-11-15T09:14:08+00:00November 15th, 2017|Allgemein|0 Kommentare

„Wir suchen die Handelswege“: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer über Provenienzforschung in Hamburg

Im Interview mit der taz spricht Prof. Dr. Jürgen Zimmerer über Provenienzforschung in Hamburg, Kolonialismus und Raubkunst. Das bewilligte Großprojekt zur Erforschung der "Benin-Bronzen" könnte "zu einem internationalen Leuchtturmprojekt werden", so Zimmerer. Diese Bronzen seien ein „Hinweis auf kulturelle Höchstleistungen in Afrika, die man im Zuge des Kolonialismus nicht wahrhaben wollte. Sie sind kulturell enorm wertvoll und auch deshalb interessant, weil sie für koloniale Raubkunst stehen", erläutert er. An die 4000 Bronzen befinden sich in  Museen des Globalen Nordens. Aufgrund ihrer ästhetischen Hochwertigkeit gehören die wertvollen Objekte stets zum Kernbestand der Sammlungen - sei es im British Museum oder dem [...]

Von |2017-09-01T11:29:49+00:00August 31st, 2017|Allgemein, Interview|0 Kommentare