Theater Postkolonial: Gelungenes Kampnagel-Gastspiel ‚HERERO_NAMA – A History of Violence‘

Bericht von Ulrike Peters und Nils Schliehe: Am vergangenen Wochenende war das Schauspiel Köln mit Nuran David Calis Performance ‚HERERO_NAMA – A History of Violence‘ zu Gast auf Kampnagel in Hamburg. Das starke und emotionale Stück bringt Schauspieler*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen auf der Bühne zusammen, um ein wichtiges Kapitel deutscher Kolonialgeschichte zu thematisieren und gleichzeitig alltäglichen und strukturellen Rassismus, globale Ungleichheit und den aktuellen Stand der deutschen Erinnerungskultur zu hinterfragen. Die Performance verfolgt einen biografischen Ansatz und so werden die Zuschauer*innen gleich zu Anfang mit den Lebensläufen der Nama und Herero Aktivist*innen Christel Ihmann und Israel Kaunatjike bekannt gemacht. Als [...]

Von |2019-12-17T11:11:11+00:00Oktober 2nd, 2019|Rezension|0 Kommentare

#9 Angedockt: Trio Joubran Feat. Youssef Hbeisch: Die musikalische Geographie des Ouds.

Von Tania Mancheno (Universität Hamburg) Foto: (c) Tania Mancheno Am Abend des 30. Mai 2017 spielte auf Kampnagel das Ensemble Trio Joubran zusammen mit Youssef Hbeisch, dem Meistermusiker in sogenannter „orientalischer Percussion“. Selten lassen sich solche Konzerte in Hamburg erleben, die es tatsächlich schaffen, das Publikum auf eine nachdenkliche Reise mitzunehmen, ohne sich dabei auf den ethnischen Tourismus des Musicals einlassen zu müssen. Einerseits bringt Youssef Hbeisch mit seiner singulären Form des Spielens nicht nur Menschen zum Tanzen, sondern schafft es auch durch Musik Heilungsstrategien für vulnerable Gruppen und Individuen zu generieren. Laut eigener Darstellung beschäftigt er sich [...]

Von |2017-08-31T15:35:30+00:00Juni 11th, 2017|Allgemein, Rezension, Theater der Welt|0 Kommentare

#7 Angedockt: Der schmale Grat der Komik und die Abgründe von Rassismus: „Underground Railroad Game“ und „In 80 Tagen um die Welt“ im Programm von „Theater der Welt“.

Von Caroline Herfert Wie umgehen mit Rassismus im Theater? Rassistische Stereotype von people of colour darstellen oder nicht darstellen, das ist hier die Frage: Dürfen und sollen Klischees auf der Bühne dargestellt werden, um sie zu dekonstruieren oder reproduzieren sie damit automatisch kolonial-rassistische Denkmuster? Die Möglichkeit zur Reflexion dieser brisanten Frage bietet derzeit „Theater der Welt“. Im Rahmen des Festivals waren zeitgleich zwei Sprechtheaterproduktionen zu sehen, die sich in einem komischen Genre mit Rassismus, Stereotypen und der Weissen Norm auseinandersetzen: „Underground Railroad Game“ des New Yorker Theaterzentrums Ars Nova, und „In 80 Tagen um die Welt“ des Düsseldorfer Schauspielhauses. Es [...]

Von |2017-08-31T15:41:30+00:00Juni 5th, 2017|Allgemein, Rezension, Theater der Welt|0 Kommentare

#5 Angedockt: Get the bigger picture! „Die Gabe der Kinder“ im Kakaospeicher des ehemaligen Afrikaterminals, oder: Programmatisch gesetzte Zeichen für ein Theater von Welt.

Von Caroline Herfert Mit Spannung war die Welturaufführung von Lemi Ponifasios „Children of Gods“ im Kakaospeicher am Baakenhöft erwartet worden. Zur Eröffnung von „Theater der Welt“ war eine Musiktheaterproduktion gigantischen Ausmaßes geplant, mit hunderten von Sänger*innen, Kindern und Jugendlichen aus Hamburg. Doch es sollte anders kommen: Es wurden nicht genug Sänger*innen gefunden, um die ambitionierte Vision des neuseeländisch-samoanischen Startheatermachers  umzusetzen. Dem Programmzettel ist daher ein Künstler-Statement beigefügt, das die Änderung des Titels in „Die Gabe der Kinder“ erklärt. Aus der geplanten Musiktheaterproduktion wurde nun ein Transformations-Ritual, als gemeinschaftlich erarbeitete „Antwort auf die derzeitige Szenerie aus Gewalt, Terror, zur Flucht gezwungenen [...]

Von |2017-08-31T15:44:19+00:00Mai 31st, 2017|Allgemein, Rezension, Theater der Welt|0 Kommentare

#4 Angedockt: „Ports – Vom Recht auf Meer“. geheimagentur lädt zum Denken und Mitgestalten des Afrikaterminals am Baakenhöft ein

Von Caroline Herfert Bei strahlendem Wetter gehen die Zuschauer*innen an Bord der MS Stubnitz, einem ehemaligen Kühlschiff der DDR-Hochsee-Fischfangflotte, das seit 1992 für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird und derzeit zu den zahlreichen Aufführungsorten von „Theater der Welt“ zählt. Der Programmzettel beschreibt die Leitfrage der Lecture Performance: „Wie kann eine Seefahrt aussehen, die Kunst, Aktivismus, fairen Handel und ‚Freedom of Movement‘ zusammen denkt?“ Hier und da stehen oder werkeln Akteur*innen in weißen Overalls zwischen dem Publikum auf dem Deck. Per Megaphon stellt eine der Weißgewandeten diese Crew als „Hamburg Port Hydrarchy“ (HPH) vor: Eine Gesellschaft, die in Konkurrenz zur Hamburg Port [...]

Von |2017-08-31T15:45:47+00:00Mai 27th, 2017|Allgemein, Rezension, Theater der Welt|0 Kommentare

Gigant des Nordens, eine gigantische Verklärung? – Nachbetrachtung zur filmischen Dokumentation über den Aufstieg des Hamburger Hafens

Ein filmisches Monument für den Hamburger Hafen. Solch ein Monument will der NDR-Dokumentarfilm mit dem Titel „Gigant des Nordens: Hamburgs Aufstieg zum Welthafen“ schaffen. Am Samstag wurde er vom Kultursender Arte zur Primetime ausgestrahlt. Der mit 3D Animationen und fiktiven Inszenierungen aufschneidende Kostümfilm erzählt die Geschichte des Hamburger Hafens als Erfolgstory. Trotz der Verwendung von Archivmaterial und Experteninterviews ist die 88-minütige Dokumentation kaum mehr als ein unterhaltsames Doku-Drama. Der oft pathetische Stil ist zwar identitätsstiftend, aber er hilft kaum, den Aufstieg des Hamburger Hafens historisch zu erklären. Denn diese Erklärung ist global und zu einem guten Teil auch kolonial. Statt [...]

Streamlined Streamlines

Die Romantisierung des Hafenlebens spielt eine zentrale Rolle in der Ausstellung Streamlines, welche in den Deichtorhallen zur Zeit besucht werden kann. Eine Untersuchung der Ursachen und komplexen Zusammenhängen hinter der Migration findet nicht statt. von Tania Mancheno Für die Ausstellung Streamlines in den Deichtorhallen lud die Kuratorin Koyo Kouoh internationale Künstlerinnen und Künstler nach Hamburg ein, Ozeane als Orte des Welthandels und der Migration künstlerisch zu untersuchen. Als Ergebnis dieser internationalen Zusammenstellung fokussiert sich die Ausstellung auf die Ressource des Wassers. Damit setzen die Deichtorhallen eine Museumspraxis fort, die bereits im Jahr 2014 im Stedelijk Museum in Amsterdam mit der [...]

Von |2016-07-14T14:19:40+00:00Januar 27th, 2016|Allgemein, Creative Commons, Rezension|0 Kommentare